Hamburg G20 – ein Kommentar

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Am 07.07.2017 fand in Hamburg G20 statt – ein weltpolitisches Ereignis, das nicht nur in Deutschland die Emotionen hochkochen ließ, sondern rund um den Globus. Vor allem aber in den sozialen Netzwerken, wo man – gefühlt – sich entweder auf die eine oder auf die andere Seite zu positionieren hatte. Wieder einmal zeigte sich, wie es seit Neuestem um die Diskussionskultur in Deutschland bestellt ist:

Ein “falsches” Wort – sei es versehentlich ausgesprochen oder nur vom Lesenden als solches (miss-)interpretiert, ist man, was gerade passt – Nazi, Reichsbürger, Gutmensch, Rassist, Verbrecher, Staatsfeind…

Hinzu kommt ein anderes Problem:

Ganz gleich, wie man sich äußerst, verstehen viele der Leser sowieso, was sie wollen, weil man a) weder aufmerksam liest, b) keine andere Meinung zu tolerieren bereit ist und c) lieber schnell eine Antwort hinrotzt, als erst einmal nachzudenken.

Ich persönlich halte das für brandgefährlich, denn sowas führt unweigerlich zur Radikalisierung, von der man fast schon annehmen muss, sie sei gewünscht – ein Trend, der schon seit geraumer Zeit beobachtet werden kann und der mir ganz persönlich Magenschmerzen bereitet.

Die Bereitschaft, sich mit aller Besonnenheit alle Seiten zu betrachten und verschiedene Sachverhalte einzeln zu bewerten, scheint abhanden zu kommen.

Vorwort: Ich bin nicht politisch!

Die politische Sprache und Begriffe wie Antifa, Linke, Schwarzer Block, Autonome, wie sie rund um Hamburg G20 zu hören und zu lesen waren, sind für mich “böhmische Dörfer”. Für mich war, ist und bleibt Politik ein Thema, das mich nicht interessiert. Aus triftigen Gründen, denn ich hatte über Jahre hinweg hautnah Einblick, wie Politik (und auch Justiz) gemacht wird. Der hochrangige Politiker vögelt tagsüber auf dem Schreibtisch seine Sekretärinnen, um abends gemeinsam bei Tisch und natürlich im Wahlkampf sowie bei politischen Veranstaltungen auf Bilderbuch-Familie zu machen. Der karriereförderlich adoptierte Politiker-Sohn erhält Stadt-Wohnung und Auto zum Schnäppchenpreis, dafür bekommt der Autohändler eine Gefälligkeits-Baugenehmigung und sogar das bestandene Abitur des Sohnes ist Machwerk des Polit-Papas. Dies sind nur einige Beispiele. Mir haben diese Einblicke gereicht, um zu wissen, wie Politik so läuft. Im Kleinen, wie im Großen. Das Einzige, was ich deshalb mache: Mir das aktuelle Zeitgeschehen mit gesundem Menschenverstand ansehen. Eine, wie ich finde, sehr gute Methode, um mit bestmöglicher Neutralität auf die Dinge zu schauen, die sich unter anderem bei Hamburg G20 zutragen.

Hamburg brennt – Szenen wie im Krieg

Noch bevor der Gipfel begann, brannten Autos, Mülltonnen, Schaufenster wurden eingeschlagen, Geschäfte geplündert. Doch eigentlich begann die Auseinandersetzung zwischen Aktivisten und Polizei schon vorher. Nämlich mit der Räumung Protestcamps auf Entenwerder.

Die Organisatoren des Camps hatten zuvor empört auf das Vorgehen der Polizei reagiert und es als rechtspolitischen Skandal bezeichnet. „Die Hamburger Polizei verhindert eine angemeldete, rechtlich bestätigte Versammlung und bewegt sich mit ihrem Handeln klar im rechtsfreien Raum“, hieß es in einer Mitteilung der Vorbereitungsgruppe des „Antikapitalistischen Camps“.

Quelle: http://www.taz.de/!5426083/

Wenige Stunden später. Der Schwarze Block hat Hamburg eingenommen, in Schutt und Asche gelegt. Mal sollen es 3.000, mal 6.000, sogar 8.000 und 10.000 Personen gewesen sein, die für dieses Chaos in der Hansestadt verantwortlich gemacht wurden.

Schnelle Rollenverteilung beim Gipfel

Rund 19.000 Polizisten standen dem Schwarzen Block entgegen. Erst in den Medien, dann auch in der Bevölkerung, waren schnell die Rollen verteilt:

  • Bad Black Block
  • Good & poor Cops

A.C.A.B.? Weit gefehlt! Kaum, oder besser, keine Beachtung fanden in der Berichterstattung rund um den Hamburger Gipfel die friedlichen Proteste.

Medien, Polizei und Bürger schossen sich schnell auf den Schwarzen Block ein, titulierten als Verbrecher, Gewalttäter, Terroristen. Die Bilder, die sich uns allen darboten waren erschreckend und machten Angst.

Gewalt gegen Hab & Gut des Bürgers

Auf Hamburgs Straßen tobte der Krieg. Autos in Flammen, Zerstörung überall. Angeblich als Protest gegen Kapitalismus und Globalisierung. Ein Krieg gegen die zu Recht beklagenswürdige Politik rund um den Globus.

  • Doch, wie kann es da passen, sich am Eigentum des kleinen Bürgers zu vergreifen? Dessen mühsam zusammengesparten Kleinwagen in Brand zu setzen?
  • Die Geschäfte zu Kleinholz zu verarbeiten, wo Mütter und Väter täglich für die Familie einkaufen?
  • Angst und Schrecken unter den Anwohnern zu verbreiten?
  • Die Luft mit giftigem Qualm zu verpesten?
  • Sich gegen Polizisten aufzubäumen, diese zu verletzen, obwohl sie uns im Notfall beschützen sollen?

Es ist schwer, hier überhaupt noch einen winzigen Funken an Verständnis aufzubringen für das, was uns die Medien mit einer schier unendlichen Bilderflut präsentierten. Der Duktus der Bildersprache war klar:

Staat, Polizisten und Bürger sind die Opfer des Schwarzen Blocks.

Niemand will, dass diese Hamburger Schande sich jemals wiederholt. Denn wie bitte steht Deutschland jetzt international dar?

Die Berliner Partypolizisten – sind eben auch nur Menschen

Und dann war auch noch das: Kurz vor dem Gipfel machten die Party-Polizisten aus Berlin mit angeblicher Sex- und Alkoholparty um sich Reden und wurden kurzerhand von Hamburg wieder abgezogen. Vom Polizeisprecher mit den Worten kommentiert:

„Es heißt immer … äh… Wohlverhalten durch Polizisten. Da kann man nicht wie irre feiern und ja, äh, in der Öffentlichkeit bumsen.“

Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article165995167/Es-ist-einfach-nur-peinlich.html?wtmc=socialmedia.facebook.shared.web

Irgendwie machte das die Berliner Polizei-Treiben die feierfreudige Beamtentruppe beim Bürger auch sympathisch. Sind halt eben auch “nur” Menschen. Da passt es auch irgendwie ganz gut, dass inzwischen die Polizei die Bürger in den sozialen Netzwerken fast schon intim mit ‘du’, ‘ihr’ und ‘euch’ anredet.

Verletzt, erschöpft & fertig: Mitleid für die Polizisten

Polizei und Medien hielten uns während Hamburg G20 auf dem Laufenden, wie viele Polizeibeamte bereits verletzt seien. Es wurden sogar Fotos der Läsionen einzelner Polizisten veröffentlicht. Hier ein Treffer einer mit Zwille geschossenen Stahlkugel. Da ein heftiger Bluterguss. Dort ein Schnitt, der blutete.

Polizisten schlafen auf kahlem Boden

Nach dem Gipfel in Hamburg schickt die Gewerkschaft der Polizei GdP Berlin dieses Bild um die Welt. Auf dem Bild zu sehen: Irgendwo in einem kahlen Gebäude auf dem gefliesten Boden liegende, erschöpfte Polizeibeamte. Am Ende der Kraft, ohne Kissen, Decke oder gar mit dem Luxus, einer Liege. Ja, dieses Bild hat Aufmerksamkeit verdient. So zeigt es doch, wie wenig Wertschätzung ausgerechnet denen zu gebühren scheint, die wenige Minuten zuvor in der Straßenschlacht um Hamburg ihr Bestes gaben.

Thomas Mohr, GdP Vorsitzender Mannheim, veröffentlicht dieses Foto via Facebook und kommentiert u. a. mit den Worten:

“Wie Obdachlose liegen sie in irgendeinem Vorraum herum.”

Inhaltlich stimme ich dem Posting von Mohr absolut zu – dafür sollten sich die Verantwortlichen (aus der Politik) in Grund und Boden schämen. Das haben die Polizei-Männer und Polizei-Frauen nicht verdient.

Allerdings kam es auch zu kritischen Stimmen, was dieses Foto anbelangt. Würde es sich hier um Obdachlose handeln, würde sich kaum jemand aus der Bevölkerung darum scheren, dass Menschen tagtäglich nur der nackte Boden bleibt, um sich schlafend zu legen. Ganz im Gegenteil – viele Bürger lassen Obdachlose von der Polizei wegräumen.

Hamburger Bürger bedanken sich bei den Polizisten

Die Welt zeigte am Sonntag nach dem Gipfel bewegende Bilder, die ebenfalls an Theatralik nicht geizen. Der Aufmacher:

„Bürger überhäufen Polizeikräfte mit Liebe und Dankbarkeit“

Aus Sicht der Hamburger Bürger vollkommen in Ordnung und wahrscheinlich hätte ich mich ebenfalls bei den Einsatzkräften bedankt. Aber was um Himmelswillen reitet die Welt, den Aufmacher reißerisch mit dem Wort „Liebe“ auszugestalten?

Als Beruf Polizist – eine bewusst getroffene Entscheidung!

Festzuhalten ist: Diese Polizisten haben sich ganz bewusst für ihren Job entschieden, zudem eben auch Einsätze gehören, die einem Polizeibeamten alles abverlangen. Die Polizisten werden für die Ausübung ihres Jobs bezahlt und sie genießen als Beamte diverse Privilegien. Zudem: Selbst der härteste Einsatz wie beim Hamburger Gipfel geht irgendwann zu Ende. Der in Hamburg vollbrachten Leistung kann und muss man Respekt zollen. Inwieweit da aber derartige Theatralik angemessen ist, sollte jeder für sich entscheiden. Mir wäre es lieber gewesen, hätte man sich für bessere Bedingungen während solcher Einsätze ausgesprochen – auf sachlicher Ebene.

Wo bleibt eine sachliche Diskussion um derartige Arbeitsbedingungen?

Es interessiert (mich) nicht, wie viele Millionen Euro dieser unsägliche Gipfel verschlungen hat. Und wer bis hier hin dachte, ich habe keine Empathie für die Polizeibeamten in Hamburg, den muss ich enttäuschen. Zwar genervt von der Theatralik werfen ich diese Fragen in den Raum:

  • Warum zur Hölle gab es für die Einsatzkräfte der Polizei keine adäquaten Quartiere mit Schlafpritschen, um sich ausruhen zu können?
  • Gab es für die Einsatzkräfte überhaupt ordentlich Verpflegung? Oder mussten sie auch noch mehrtägig diesen Dienst schieben, ohne sich stärken zu können?

Leider habe ich auch im Nachgang kaum etwas gehört, ob die Beamten Sonderurlaub bekamen oder Sonderzuwendungen, die sie meiner Meinung nach für diesen Einsatz ganz klar verdient haben.

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