Das Geschäft mit der Hoffnung

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Das miese Geschäft mit vermeintlicher Heilung

…ist ein lohnend Brot. Für den, der vorgibt, die Hoffnung zu erfüllen. Der Heilsversprecher, der Schutz vor Krebs preist, schnelles Geld für wenig Arbeit, die Kreditzusage trotz negativer Bonität, Faltenfreiheit bis ins Hohe Alter, Gesundheit durch Stammzellen und ewiges Leben durch Kryonik. Hoffende sind verzweifelt, von Angst getrieben, von tragischen Ereignissen geprägt und klammern sich nachvollziehbar an Strohhalme, die man ihnen reicht. Nicht jedes Hoffen ist vergeben und für jedes Hoffen gibt es den passenden Strohhalm der Heilung und der Abhilfe. Erfülltes Hoffen wird zum Beweis, dass alles linderbar und möglich ist. Optimismus ist gut und oft nur Illusion. Mit dem Leid der Menschen wird Kapital geschlagen. Zukunftsängste werden von einer Wahrsagerin oder einem ihrer männlichen Kollegen besänftigt, vermutlich ohne jemals auch nur einen Blick in die Zukunft empfangen zu haben. Computerprogramme spucken das Radix aus, in Sekundenschnelle. Ausdruckbar und für viel Geld käuflich. Auch das noch esoterisch noch mehr intensivierte Charma-Hororskop ein Produkt einer käuflichen Makrolonscheibe mit aufgedampftem Aluminium. Käuflich, finanziell und lukrativ scheint es immer dort zu sein, wo Menschen hoffen und Hilfe suchen. Verlockend die Angebote, die man durchaus auch in die Kategorien Luftschlösser oder Geldmacherei abtun könnte. Immer? Nein, nicht immer, aber immer öfter!

Warum ist die Hoffnung so ein lohnenswertes Geschäft?

Menschen hoffen seit Menschengedenken. Glück, Liebe, Reichtum und Gesundheit stehen weit oben auf der Rangliste Hoffnung. Wer hofft, hat Sehnsüchte oder Sorgen. Wer verspricht, Hoffnungen zu erfüllen, stellt in Aussicht, dass Sehnsüchte gestillt, Sorgen behoben, Gesundheit erhalten oder gegen werden. Der Mensch ist sich aus Eigenschutz heraus selbst sehr nah. Dies ist ein natürlicher Instinkt, der das Überleben des Einzelnen sicherstellt und der fortbestehenden Existenz der Spezies dient. Menschen können also kaum anders, als hoffend ihr Leben zu meistern, weil sie dadurch ihrem innersten Urinstinkt folgen. Ebendies macht es leicht, daraus Geldmacherei zu betreiben. Kleine Wünsche kann sich fast jeder erfüllen. Doch bei den großen Wünschen wie Schutz und Heilung vor schweren Krankheiten, enden oftmals die persönlichen Möglichkeiten, Wünsche zu erfüllen. Eine gute Idee, massig Überzeugungspotenzial, vorzeigbare Resultate und eine dicke Kostennote genügen, um hoffende Menschen zu ködern. Der Geldmacherei sind Tür und Tor geöffnet und je teurer die Erfüllung angepriesen wird, umso besser muss sie sein. Hilfesuchende sind dann bereit, viel zu investieren, finanziell, emotional, um die Erfüllung zu erlangen. Rational funktioniert oft das Warnsignal, emotional hat man kaum etwas zu verlieren.

Hoffnung kann die Sicht manipulieren

Je schlimmer die Situation des Hoffnungssuchenden, umso empfänglicher ist er für Heilungs- und Erfüllungsversprechen. Man möchte nicht nur hoffen, sondern auch glauben. Man hat nichts mehr zu verlieren, man hat ja schon alles verloren. Kann nur noch hoffen, kann nur noch glauben. Die Angst, es nicht versucht zu haben sowie die Frage, was ist, wenn ich es nicht versuche, tun das Übrige. Die Hoffnung ist der Strohhalm selbst. Nach ihm zu greifen ist der Urinstinkt des Menschen. Er funktioniert ebenso wie der Urinstinkt einer rennenden Maus, wenn sie von einer hungrigen Katze verfolgt wird. Meist hat die Maus keine Chance und wird zum Spielzeug der Katze. Doch manchmal findet die Maus ein Loch, dass ihr das Leben rettet. Hoffnung ist also nicht immer Illusion, sondern manchmal das Mittel zur Erfüllung selbst. Nichts spricht gegen Hoffen, ebenso wenig spricht dagegen, in die Wunscherfüllung zu investieren. Finanziell, emotional. Auch emotionale Investition kann ein Anker sein, an dem man über Wasser bleibt. Finanzielle Investition kann die Erfüllung bringen. Hoffen kann aber auch den Absturz bringen, Alternativen versperren, die Sicht manipulieren.

Wie findet man eine Entscheidung?

Eine sehr geschätzte Bekannte befand sich in hoffnungsloser Position. Sie nannte mir ein russisches Sprichwort, mit dem sie sich über Wasser hielt: „Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, dann tu erstmal nichts.“ Das klingt so einfach. Und das ist es auch. Zumindest dann, wenn man Zeit hat. Zeit kann einige Minuten sein, einige Stunden, einige Tage oder mehr. Eben soviel, wie man sich erlauben kann, zu nehmen. Wer unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen hat, steht selbst unter einem hohen Druck. Je wichtiger eine Entscheidung ist, umso höher der Druck, je höher der Druck, umso mehr neigt man dazu, nicht auch rational über Entscheidungen nachzudenken. Die eigene Rationalität steht nicht immer im Einklang mit der eigenen Hoffnung. Erst recht nicht, wenn man Heilung und Gesundheit herbeisehnt. Auch scheint besonders dann die Zeit davon zu eilen. Manchmal ist das so. Oft aber auch nicht. Dann sollte man seinem eigenen Innenleben Zeit geben. Soviel, wie vertretbar ist. Besonders bei einer schweren Erkrankung hat man selbst mit dem Schicksal zu hadern, schlimme Nachrichten zu verdauen. Panik, übereilte Entscheidungen, fehlende Informationen, nüchterne Betrachtung, gewissenhafte Abwägung – alles prasselt herein und muss irgendwie gleichzeitig bewerkstelligt werden. Das wichtigste ist die Zeit. Sie hilft, zu verdauen, sie hilft, klar zu werden, sie hilft, sachlich zu analysieren und abzuwägen. Schöpft man das gesamt mögliche Zeitfenster aus, schöpft man mehr Optionen aus. Gibt es Alternativen? Wer hat welche Erfahrungen gemacht? Wer kann noch zu Rate gezogen werden? Wie ist die Risiko-Nutzen-Bilanz? Selbst, was nach Geldmacherei aussieht und fragwürdig ob der Heilung ist, kann schlussendlich immer noch als Option in Frage kommen. Aber erst dann, wenn im Rahmen des möglichen Zeitfensters sich keine Alternativen eröffnen.

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